Erinnerungen an Gutshaus, Park und Gutshof

Das 1954 abgebrannte Gutshaus und der heute fast zerfallene Gutshof blieben in meinem Gedächtnis lebendig. Deshalb berichte ich nun über längst Vergangenes.

Unser Haus

Heimkehr: In Wutike mit dem Wagen abgeholt, auf den letzten Kilometern Kopfsteinpflaster des Kolreper Damms. Gleich hinter dem heutigen Sportplatz bog der Wagen durchs Parktor und fuhr auf der gekiesten Chaussee (22) zum Haus. Wenn ich die Augen schließe, spüre ich noch die tiefen Schatten der alten Buchen, dann die Helligkeit der Rasenflächen mit leichtem Grillengezirp, das Rumpeln auf der Brücke. Schon geht es im Trab auf die Rampe. Die Pferde halten mit einem Ruck vor dem schlichten, in seinem Ebenmaß schönen Gutshaus.

Hier bin ich aufgewachsen: Das große Haus, zweistöckig, sechs Fenster an jeder Seite, in der Mitte mit kleinem Giebel vorspringend. Im Souterrain lagen Küche und Vorratsräume. Hier herrschte Mamsell. Im Erdgeschoss dann die Wohnräume. Die Hautür führte in das ‚Entree‘ mit Schrank und Truhe für viele Mäntel und Jacken, in der Mitte ein großer, runder Tisch. An den Wänden einige Geweihe und ein großes Bild mit Medaillons der vielen Kinder meines Urgroßvaters Rohr. Links ging es in das Wohnzimmer meines Vaters mit Kamin, gemütlichen Sitzmöbeln und vielen Büchern. Dahinter dann Arbeitszimmer und Ankleidezimmer, schließlich mit nach Süden gerichteten Fenstern Badezimmer und elterliches Schlafzimmer; oben dann Kinder- und viele Gästezimmer.

Vom Entree aus ging man es geradezu ins Gartenzimmer mit großen Fenstern und anmutigen Rokokomöbeln. Eine Glastür öffnete sich zum Garten. In den Blumenkästen rechts und links der zum Gartenzimmer führenden Rampe gediehen Petunien, Kapuzinerkresse und Geranien. Mein Großvater ergänzte unser Haus durch einen Holzgang im Schweizer Stil und eine große Veranda. Während wir die sich nach Norden öffnende Veranda nur an heißen Sommertagen nutzen, erfreute sich der ‚Gang‘ großer Beliebtheit. Hier konnte man schon im März die ersten Sonnenstrahlen genießen. Hier spielten wir an lauen Sommerabenden Ratespiele. Vom Gang aus spuckten wir Kirschkerne ins Rosenbeet. 

Ein gemütliches großes Gutshaus also, bevölkert von einer großen Familie und vielen Dienstboten: Allein in der Küche arbeiteten neben der Mamsell noch ein Küchenmädchen und ein Kochlehrling; dann zwei Zimmermädchen, unser Kinderclärchen und selbstverständlich ein beim Mittagessen servierender Diener. Luxus und Reichtum?

Das Nebeneinander von althergebrachter großzügiger Lebensform, einfachem Lebensstil und wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist schwer zu verdeutlichen. In meiner Kindheit waren Roggen- und Milchpreise niedrig. Meine Eltern hatten Geldsorgen Sie trennten sich von Reit- und Kutschpferden, verkauften das Vorwerk Bärensprung und den Kolreper Bauernhof. Von solchen Sorgen hörten wir Kinder wenig. Aber als mir meine Schuhe schon wieder zu klein geworden waren, sagte unser Kinder-Clärchen bedeutungsschwer „da muss Mutti wieder in den sauren Apfel beißen!“ Doch meine Mutter suchte – selbstverständlich unter Assistenz von Clärchen – unter den alten Schuhen meiner Brüder etwas Passendes heraus. Und so lief ich meist in Jungensstiefeln. Auch unsere Kleidung war anspruchslos: Ich besaß zwei Kleider. Sonntags zog ich das saubere Kleid an, trug die Woche hindurch darüber eine Schürze. Am nächsten Sonntag kam dann das andere Kleid an die Reihe. Daneben besaß ich ein selten benutztes ‚gutes‘ Kleid. Auch in wohlhabenderen Zeiten hätte ich vermutlich nicht mehr Kleider besessen – wozu auch? Auf dem Land lebte man einfach.

In der Schule nahmen wir das Einmaleins durch und sollten dazu für den Preis von fünf Pfennig ein Einmaleins-Heft kaufen. Irgendwann hatte ich von den Sorgen meiner Eltern gehört. In völliger Verkennung der Maßstäbe traute ich mich deshalb nicht, um fünf Pfennig für die kleine Heft zu bitten, wiederholte das Einmaleins abends im Bett und war dadurch in Sachen Einmaleins unschlagbare Spitze.

Gastlichkeit war auch in schlechten Zeiten selbstverständlich, viele Gäste blieben wochenlang. Zur winterlichen Jagd gehörte ein Diner. Dazu gab das Haus sein Bestes: Drei Tage vorher wurden Saal und Gästezimmer geheizt. So konnten sich die Jagdgäste in Ruhe ihren Frack anziehen. Zum Diner kamen die Ehefrauen nachgefahren. Platens/Wutike und Tante Adda Klitzing/Demerthin brachten ihre Diener mit, die halfen beim Servieren. Unser Gärtner hatte den Esstisch wunderschön dekoriert: Alles was das Gewächshaus hergab und unsere kostbaren Berliner Porzellanfiguren standen auf dem Tisch, dazu das gute mit Blumen bemalte Berliner Geschirr. Vielleicht gab es Wildschweinkeule oder Hirschrücken – die Hauswirtschaft lief auch bei solch festlichem Essen möglichst bargeldlos.

Im Winter schlachteten wir sechs Schweine, dazu ein Rind. Mettwurst erste Sorte und die gröbere zweite Sorte, dazu Schinken, seltener köstliche Hasenleberpastete standen auf dem Esstisch. Manchmal kaufte meine Mutter in Kyritz sündhaft teuren Edamer Käse und sah sorgenvoll, wie meine Brüder darüber herfielen. Geflügel, Wild, zu Ostern ein Kalb – Fleisch gab es fast täglich. An Gemüse aßen wir das, was der Garten hergab. Für den Winter wurden Erbsen eingemacht, Bohnen eingesalzen, Mohrrüben eingekellert. Ich esse immer noch gern Bananen, weil ich sie in meiner Kindheit nicht bekam.

Einmal im Herbst, es mag das Jahr 1937 gewesen sein, gab es in der Nähe großes Manöver und für unserer Haus entsprechende Einquartierung. Soldaten und Offiziere gut zu behandeln und zu verpflegen war Ehrensache. Aber unsere Wurstvorräte waren dem nicht gewachsen. Meine Mutter kaufte Wurst bei Fleischer Jaap und empfand das als schwere Schlappe ihrer Haushaltsführung

Sicher, wir hatten viel Personal. Meine Eltern wollten unsere langjährigen Angestellten nicht entlassen, denn in der Zeit schwerer Arbeitslosigkeit hätten sie kaum eine neue Stellung gefunden. Als jedoch Wilhelm Schalow, früher Kutscher, später Chauffeur, in den Ruhestand ging, wurde kein neuer Chauffeur eingestellt, vielmehr fungierte der Diener nun als Diener-Chauffeur.

 

Das Gutshaus (l); Fohlen im Auslauf (mitte) vor dem Fohlenstall. Blick von der Rampe auf Fohlenstall undSchweinestall im Vordergrund: J. von Oppen, Elisabeth, Gisbert und Cecilie (r)

Der Park

Nördlich unseres Hauses lag der von meiner Großmutter angelegte große Park. Zwei durch eine zierliche, leicht gewölbte Brücke verbundenen Teiche bildeten den Mittelpunkt der Anlage. Vorn der flache "kleine Teich" (20), dahinter der zwei Meter tiefe "große Teich"(19) mit einer Insel. Vier Morgen Teich hat man dazu ausgegraben. Während meiner Kindheit wurde der große Teich im Spätherbst der große Teich abgelassen, Karpfen und Schleie herausgefischt und in zwei Fischkästen bis zum Verzehr aufbewahrt.

Über die beiden Teiche hinweg sah man auf eindrucksvolle Baumgruppen, die Durchblicke auf Felder und Hengstkoppel und die von Erlengehölz begleitete Beke einrahmten. Kleine Wege führten an Bächen vorbei durch Gebüsch und Gehölz und gaben Ausblicke auf Teich, Wiese und Gutshaus. Rasenflächen vermittelten den Eindruck von Weite. Westlich vom Haus prunkten Blumenrabatten mit Hochstammrosen, Stiefmütterchen und Stauden – das Ganze ein für das 19. Jahrhundert typischer Landschaftspark.

Park und Teich waren die Hauptstätten unserer Spiele. Als Kleinkinder bevölkerten wir unseren Spielplatz, buddelten im Sand oder genossen Schaukel, Wippe, Kletterstange, Rundlauf und Reck, während unser Kinder-Clärchen auf einer Bank sitzend unermüdlich Socken stopfte. Später faszinierte uns der große Teich: Schlittschuhlaufen, im breiten Kahn rudern, auf der Insel eine Hütte bauen, ewig ins Feuer pusten, weil die Nudeln nicht gar wurden.

Unser Modderplatz blieb Erwachsenen unerreichbar: Dort, wo die den Teich speisende Beke in den Teich mündete,  wuchs hohes Rohrkolbenschilf auf schlammigem Grund. Wir wateten durch das Schilf hindurch bis zum noch unbewachsenen, schlüpfrigen schwarzen Modder und bauten dort mit Dämmen und Wasserlöchern unsere allen Erwachsenen ferne Kinderwelt.

Heute finden sich vom Park nur wenige Spuren. Die Teiche sind schnell verschwunden. Der moddrige Grund ließ Kräuter, Sträucher und Bäume üppig gedeihen. Die alten Douglasien am Tennisplatz vertrugen die Veränderung des Wasserstandes nicht und gingen ein. Auf dem Tennisplatz errichtete man einen Kindergarten.

Nur die Reste des alten Eiskellers stehen noch nordwestlich vom Mühlenteich. In alter Zeit zersägte man das Eis der Teiche und fuhr die Eisstücke in den tiefen, von Mauerwerk und Erde überwölbten Eiskeller, wo es sich bis in den Sommer hielt.

 

Diese Bilder zeigen den Park etwa im Jahre 1900und ende der zwanziger Jahre mit den Teichen und großen Durchblicken; dazu das Haus von der Gartenseite

Der Hof

Vorm Haus auf der Rampe stehend, sah man den älteren, östlichen Teil des Hofes vor sich: Links den Schweinestall (2) mit den Schweinebuchten davor, dann den Hengststall (3); im rechten Winkel dazu und damit dem Haus gegenüber lagen Fohlenstall (4) mit Fohlenauslauf und der Schweinemaststall (5) mit Hühnerstall (5a); rechts folgten dann die lange Scheune(6) und Ackerpferdestall (7), schließlich das Waschhaus (8).

 

Zwei Schaubilder des Hofes, die seine Lage und Aufteilung deutlich machen. Die im Text befindlichen Nummerierungen (s.o.) beziehen sich auf die entsprechenden Nummern in den Bildern.

Schweinestall und Willy Kramer

Im heute halb verfallenen Schweinestall spielten wir mit Vorliebe. Bruder Gisbert spielte mit seinem Altersgenossen Helmut Kramer, und der Vater von Helmut, Willy Kramer‚ war unser Freund. Zusammen mit seiner Frau regierte Kramer den Schweinestall: Die Sauen, Ferkel, Überläufer und die Mastschweine. Kramer ließ uns beim Füttern helfen; Kramer gab uns wohlschmeckende gedämpfte Schweinekartoffeln. Kramer legte uns kleine Ferkel in den Arm. Kramer erklärte uns seinen Hund Lotti, den Rattentöter. Kramer verbot uns aber auch den löchrigen und dadurch gefährlichen Strohboden über dem Schweinemaststall.

Willy Kramer konnte mit Tieren umgehen: Die Schweine gediehen unter seinen Händen. Nachdem mein Vater die Schafe abschaffte, blieb ein einzelnes Schaf ‚Hanne‘ unter Kramers Obhut und wurde zahm. Mit einer hellblauen Schleife verziert begleitete Hanne Herrn und Frau Kramer beim Erntezug.

Hengststall, Fohlenstall ....

Neben der Ruine des Schweinestalls steht der heute bewohnte frühere Hengststall. Hier stand früher, also vor dem 1842 erfolgten Bau meines Elternhauses, das alte Gutshaus. Dadurch steht das heutige von meinem Vater um 1920 aus Kalksandstein gebaute Haus auf alten Fundament und hat sogar einen Keller - wegen des hohen Grundwasserstandes sind nur wenig Hofgebäude unterkellert.

Senkrecht zu diesem Haus stand der alte Fohlenstall mit seinen dicken Mauern aus behauenem Feldstein, daneben die Hofeinfahrt. Der Fohlenstall ist abgerissen, und nur die dicke Rüster (Ulme) kennzeichnet den alten Zugang zum Hof. Neben dieser östlichen Hofeinfahrt lag der gleichfalls abgerissene Schweinemaststall mit dem Hühnerstall. Im rechten Winkel zum Schweinemaststall und damit rechts vom Gutshaus setzt dann die aus großen Feldsteinen errichtete, heute noch stehende "lange Scheune" an. Sie bildet die nördliche Begrenzung unseres Friedhofs.

Dann der Ackerstall mit 20 - 24 Ackerpferden, zwischen langer Scheune und Ackerstall ein großer Misthaufen.  

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Waschhaus, Gemüsegarten, Schmiede ...

Südlich unseres Hauses lag das in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg errichtete Waschhaus. Ihm folgte in Richtung Westen ein weiteres Gebäude (9), das unter anderem die Räucherkammer enthielt. Zwischen diesem Gebäude und einer weiteren aus großen Feldsteinen errichteten Scheune lag der Eingang zu unserem mehr als einen Morgen großen Gemüsegarten.

Die Gärten waren Agthes Reich: Gärtner Agthe regierte mit Hilfe des Gärtnerburschen und zweier Gartenfrauen den Gemüsegarten, den Pflanzgarten (25), den Park mit den Teichen sowie den unter dem Waschhaus gelegenen Apfelkeller, in dem es so köstlich nach Äpfeln roch. Im Gemüsegarten zog Aghte in Frühbeeten Salat für den Geburtstag meines Vaters am dritten April und ließ hier anschließend wohlschmeckende Melonen wachsen, die damals auf dem Lande sonst unerreichbar waren. Natürlich gab es dort auch Beerenobst und vielerlei Gemüse. Im ungeheizten Weinhaus wuchsen Weintrauben und dazu früher Spinat und Radieschen. Im warmen Gewächshaus dufteten empfindliche Maréschal-Niel-Rosen. Hier gediehen unter Aghtes sachkundiger Pflege die mit jedem Jahr größer werdenden Azaleen und freundliche Zimmerprimeln. Die Gewächshausheizung war tökrig: Mutti besprach mit Aghte, ob er wirklich nachts aufstehen und heizen müsste, damit das Feuer nicht ausging.

Westlich vom Gemüsegarten lag unsere Schmiede (11). Hier herrschte Meister Schwanz, ein angesehener Fachmann, der nicht nur Pferde beschlug, sondern auch Trecker und Maschinen reparierte. Neben der Schmiede dann wieder ein Hoftor und der Schmiede gegenüber das Wohnhaus (11a) des Schmieds.

Anschließend die Stellmacherei (12), davor der luftige Schuppen mit dem Vorrat an zugeschnittenen Brettern und den großen zerschnittenen Baumstämmen - das alles gehörte nicht zum Bereich unserer Spiele. Auch der nach Kalkstickstoff stinkende Düngerschuppen (13) mit seinem Kleinbahnanschluß lockte uns wenig.

Dort hinten an den Bretterstapeln der Stellmacherei ließ meine Mutter Wermuth pflücken, trocknen und als Mottenschutz in die Bettenkiste zwischen die Federbetten legen.

Vor dem Düngeschuppen gab es eine Kalkgrube. An einem dämmrigen Herbstnachmittag standen wir an dieser Grube. Die Jungens öffneten ihre Hosenschlitze: Leicht zitternder dünner Strahl ließ den gebrannten Kalk aufbrausen und dampfen.

Dann der Kornboden (14), ein Getreidespeicher, und die mit ihm durch einen Gang verbundene alte Stärkefabrik (17). Beides steht noch. Die Stärkefabrik hatte mein Großvater gebaut und bald zugunsten der Kyritzer Stärkefabrik wieder aufgegeben.

Im Kornboden lagerte das noch unverkaufte Getreide in großen flachen Haufen. Vom Kornboden holten die Pferdeknechte das Futter für ihr Gespann. Bruder Gisbert bekam dort den Hafer für unsere Kaninchen – nicht sehr viel fanden wir.

Der Kornboden lockte uns: Im aufgeschütteten Getreide und hinter Säcken konnte man sich verstecken. Wir sausten die glatte Sackrutsche hinunter. Vom Kornboden aus gelangte man über einen hoch liegenden Gang in die geheimnisvoll wirkende alte Fabrik. Dort standen verstaubte Gerätschaften und die noch häufig genutzte Dampfmaschine (ortsfeste Lokomobile). Nur leider: Kornboden und Fabrik waren für uns Kinder verbotenes Terrain.

Vor dem Kornboden steht nach wie vor eine alte Eiche. Die wurde von innen morsch und bekam dürre Äste. Mein Vater ließ innen vorsichtig alles morsche Holz entfernen und den hohlen Stamm mit Lehm und Steinen füllen. Die Äste wurden zum Entsetzen von uns Kindern bis auf kurze Stumpen abgeschnitten. Während der folgenden Jahre wuchsen nur dünne, klägliche Zweige. Dem bislang auf der alten Fabrik nistenden Storch gefiel dieser amputierte Baum, er baute sein Nest in einer Astgabelung. Heute hat die Eiche wieder eine prachtvolle Krone. Der Storch zog aus und wohnt nun am Weg zu den Horstbergen.

Auch das Inspektorhaus (15), in dem sich auch Guts- und Gemeindeverwaltung befand, steht noch. Der Kutschstall (16) mit seinen Pferdeboxen, Sattelkammer und Wagenremise mit vielen anheimelnden Gerüchen ist verschwunden.

Die Gestütshengste standen im hinter dem Inspektorhaus liegenden Hengststall(15a). Die Bauern kamen und ließen in der alten Reitbahn (15b) ihre Stuten decken. Bruder Gisbert und seine Freunde sahen sich den Deckvorgang an und kamen danach aufgeregt wieder. Uns Mädchen schickten sie vor solchen Unternehmungen nach Hause.

Von Westen her hat der Hof jetzt einen neuen Zugang: Man kommt an einigen in der Nachkriegszeit schnell und nicht sehr dauerhaft errichteten Häusern vorbei, hat rechts die alte Fabrik (17), links das kleine Transformatorhaus und sieht dann links den Kuhstall (18). Hier standen etwa 65 Milchkühe, gutes schwarzbuntes Herdbuchvieh. Auch Bullen, Kälber und Jungvieh hatten hier ihren Platz. Vor Ostern ging meine Mutter in den Kälberstall, um nachzusehen, ob das Kalb für unseren Osterbraten gut gemästet wurde.

Der Boden über dem Kuhstall fehlt nun. Schade, denn das war eines unserer bevorzugten Reviere. Dort tobten wir im Stroh oder spielten Versteck. Springen ins Kuhstallstroh galt als Mutprobe: Heraustreten auf die Eisenstangen und drei Meter hinab und hinüber in die fürs Einstreuen vorgesehenen Strohberge. Günter Lehmann, unser guter Freund, bekam meist Strohsplitter ins Auge, rieb lange daran herum und konnte nicht springen. Das tat unserer Liebe zu Günter keinen Abbruch.

Geradeaus müßte man nun hinter Rasenflächen und bunten Rabatten die westliche Gartenfront des Gutshauses erblicken.

Am Hofeingang zum Kolreper Damm steht noch die dicke Ulme. Sie könnte von alter Gutswirtschaft berichten. Sie sah den Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL) und später den Verfall der Gebäude.

 

Willy Kramer mit Frau und Hund

Alte Postkarte mit Schule und Kirche

Heuernte im Luch