Die Kolreper Berge: Waldeinsamkeit, weiter Blick und viele Steine

Lage: Nordnordöstlich von Dannenwalde

Vom Kolreper Damm bis hin nach Heiligengrabe kann ein Eichhörnchen von Baum zu Baum springen ohne den Boden zu berühren. Ein Alpinist wird Bergeshöhen vermissen, für Prignitzer Verhältnisse ist der Höhenunterschied von Dannenwalde (57 m) und den Höhen bei Breitenfeld (102 m) jedoch beachtlich.

Die Kolreper Berge – gestauchte Endmoränenwälle der Saaleeiszeit. Eiszeitliche Gletscher brachten nordischen Granit, hatten aber auch Kalkgesteine eingebacken und all das beim Vorwärtsgleiten geglättet, zerkleinert und zerrieben. Die oft mehrere tausend Meter dicken Eismassen schoben hohe Endmoränenwälle vor sich her, die beim Abschmelzen liegen blieben, um dann bei neuerlichem Eisvorstoß gestaucht und aufgeschoben zu werden. Viele Male mag das während der mehr als 100 000 Jahre währenden Saaleeiszeit hin und her gegangen sein. Zermahlener Granit hinterließ sandiges Gelände; zerriebenes Kalkgesteine setzte sich als Mergellinsen in kleinen Seen ab; die abgelagerte feine Trübung des Schmelzwassers führte zu Tonvorkommen. All das finden wir in den Kolreper Bergen auf engem Raum nahe beieinander.

Die Eismassen der Weichseleiszeit erreichten die Kolreper Berge ohne sie wesentlich zu überformen. Die Schmelzwasser dieser letzten Kaltzeit schufen die Niederungen der Jäglitz-Karthane und des Dossegebietes und formten die westlich der Straße Kolrep-Dahlhausen steil aufsteigenden Hänge der Kolreper Berge.

Der Besucher findet in den Kolreper Bergen ausgedehnte, einsame Wälder auf hügeligem, von der Eiszeit geprägtem Gelände mit Stein, Mergel, Ton, dazu Sand- und Lehmboden. Von gelinden Bergeshöhen blickt er weithin auf prignitzer Wald und Feld.

 

Mit dem Fahrrad unterwegs

Radwanderung, 18 km, 3 Stunden

Die Kolreper Berge erobert man am besten mit dem Fahrrad: Auf dem Kolreper Damm fahren wir bis im Wald ein deutlich erkennbarer Weg nach links abzweigt, dem wir die B 103 überquerend folgen. Weiter geht es durch den Wald, rechts Feld, wieder Wald. Schließlich auch linker Hand ein kleines Feld. Hier setzen wir uns an den Wegrand und genießen die Aussicht weit über Gumtow hinaus. Weiter geht es geradeaus durch den Wald, bis wir die wenigen Häuser von Waldhof erreichen. Hier stand zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Ziegelei. Ein kleiner unter Bäumen verborgene Tümpel mag seine Entstehung altem Tonabbau verdanken. Wir radeln in Richtung Breitenfeld, haben bald nach links über freies Feld (Höhe 102,9) einen prachtvollen Blick auf die hinter dem Dorf Gumtow liegenden Höhen. Am Rand der nahe gelegenen Mergelkuhle finden wir große und kleine Haufen vom Feld abgesammelter Steine und ein paar Eichen und Eschen. Trotz vieler bereits abgesammelten Steine ist das brachliegende Feld von Steinen übersät. Seit Jahrhunderten sammeln die Bauern Steine vom Acker ab, damit Pflug und Mähmaschine nicht Schaden nehmen. Jedoch die Steine ‚wachsen nach‘! Ist Hexerei am Werk? Seit wann wachsen Steine?

 Exkurs Wachsende Steine

Wenn wir im Garten ein paar dicke Steine mit Erde überdecken, sehen wir nach dem nächsten Gewitterregen freigespülte Steine liegen, nach dem Winter ragen Steine aus der Erde heraus. Denn bei Frost dehnt sich das Bodenwasser aus, dadurch hebt sich der Boden um mehr als einen Zentimeter. Nach der Frostperiode taut das Bodeneis, der Boden sinkt in sich zusammen. Unter dicken Steinen hält sich der Frost etwas länger, der Stein bleibt auf seiner Eislinse liegen, während der ihn umgebende Boden bereits abgesackt ist. Das auftauende Bodenwasser spült feine Bodenpartikel unter den Stein, die sich dort ansammeln. Ist nun alles aufgetaut, liegt etwas mehr Bodenmaterial unter dem Stein als vor dem Frost. Resultat: Der Stein ist nach jeder Frostperiode im Verhältnis zu seiner Umgebung um mehrere Millimeter gehoben. So wachsen Steine aus dem Boden!

Hier im Endmoränengebiet ist der Boden steinreich – eine Plage für die Bauern. Als günstiger für den Landmann erwiesen sich die hier häufigen Mergellinsen, die wie die eben besuchte Mergelkuhle zeigt, zur Bodenverbesserung genutzt wurden. Zurück zum Waldhof, dort biegen wir nach links ab und folgen dem nach Dahlhausen führenden sandigen Weg durch kuppiges Gelände. Nach riesigen Kahlschlägen hat man hier in den siebziger Jahren Kiefern gepflanzt, und so sehen wir weithin einförmigen Kiefernwald.

Nach einigen Minuten biegen wir an einer Wegkreuzung rechts ab, sehen vor uns bald freies Feld, gehen rechts in ein kleines bewaldetes Tälchen und stehen staunend vor riesenhohen Bäumen, einer Douglasie und einer Nordmann-Tanne. Diese kaum hundert Jahre alten, etwa 40 Meter hohen Exemplare sind die höchsten Bäume weit und breit. Mit Feuchtigkeit und Nährstoffen gut versorgter Lehmboden ist für diese Wuchsleistung verantwortlich. Wir umwandern die auf der Karte mit 87,3 m Höhe angegebene Kuppe, suchen uns einen baumfreien Aussichtsplatz, genießen die Waldeinsamkeit und erfreuen uns an der bis zu den Türmen von Kyritz reichenden Fernsicht.

Zurück zum Fahrrad, unser Feldweg mündet auf die Dahlhausen-Kolreper-Straße, auf ihr heimwärts radelnd sehen wir links die Kolreper Berge, deren Hänge hier die Schmelzwasser der letzten Eiszeit deutlich herausarbeiteten. Mit einiger Mühe finden wir die einzige Stelle der Kolreper Berge, an der Schlüsselblumen wachsen: Unser Weg führt erst über freies Feld, dann durch Wald, bald links freies Feld, dann wieder beidseitig Wald. Hier führt nach rechts ein kleines Tälchen, vielleicht ein alter Mergelabbau in den Wald. Wir gehen einen locker mit Esche und Ahorn bestandenen Hang hinauf und finden – hoffentlich – Schlüsselblumen.

Weiter geht es über Kolrep zurück nach Dannenwalde.

Der historische Pfad endet hier - mit "zurück" kommen Sie wieder zur Startseite