Das Dorf

Dannenwalde - liegt der Ort mitten im Tannenwald? Nein weder Fichten noch Tannen sind in Dannenwalde heimisch. Vielmehr meint Dannen im Prignitzer Sprachgebrauch Kiefern. Im Kiefernwald siedelten sich also die ersten Bauern an.

Die uralte Linde

Am Mittelpunkt des Dorfes Dannenwalde steht die Dorfkirche. Nahe der Friedhofsmauer wächst eine Linde. Ein merkwürdiger Baum, niedrig, mit dickem hohlen Stamm, kleiner, buschig wirkender Krone und einem gewaltigen Wurzelwerk – eigentlich eine Baumruine, an der das Alter nagt. Doch macht ihr Alter diese unscheinbare Linde zu einer kostbaren Besonderheit, denn sie mag 700 Jahre alt sein.

Ein uralter Baum also: Die erste überlieferte Nachricht über den Ort Dannenwalde stammt aus dem Jahre 1339. Der Ortsname weist auf eine deutsche Gründung im von Kiefern (Dannen) bewachsenen Gelände hin. Vielleicht wurde das Dorf schon unter den Askaniern im 12. Jahrhundert begründet und vielleicht pflanzten die ersten Bewohner von Dannenwalde diese Linde.

Jahrhunderte lang begruben die Dannenwalder ihre Toten im Schatten dieser Friedhofslinde nahe der Kirche, bis man nach dem Ersten Weltkrieg im Wald einen neuen Friedhof anlegte.

Auf dem ehemaligen Friedhof tobten nun die Schulkinder während der Pausen. Ich tobte mit ihnen. Das rote Backsteingebäude, heute Gemeindebüro, beherbergte damals die zweiklassige Volksschule und die beiden Lehrerwohnungen. In der großen Pause hatten wir genug Zeit für lange Spiele, denn Lehrer Lehmann frühstückte zuhause. Die alte Linde trug damals auf ihrem hohen, hohlen Stamm eine weit ausladende Krone. Unternehmungslustige Jungen krochen durch eine Öffnung in den hohlen Baum, kletterten innen bis zum Kronenansatz empor und winkten uns aus stolzer Höhe zu. Wir spielten derweilen ‚Vater, Mutter, Kind‘ und grenzten unseren Wohnbereich mit herbstlichem Lindenlaub ab. An anderen Tagen organisierten die großen Mädchen gemeinsame Kreisspiele, an denen sich auch die Jungen beteiligten. Alte, längst verschollene Spiele beschäftigen uns: ‚Moddder Witsch, Modder Witsch kiek mi mal an, wie ick den Bummelschotten tanzen kann‘ oder ‚ Es war einmal ein kleiner Mann heijumheidi, der nahm sich eine große Frau m-ha-m’oder auch das rätselhafte ’Ist die schwarze Köchin dan? Nein, nein, nein. Drei mal muss ich rummarschieren, das vierte Mal den Kopf verlieren, das fünfte Mal komm mit!‘.

Aber das sind längst vergangene Zeiten. Die Schulkinder werden heute in Vehlow unterrichtet. Auf dem alten Friedhof ist Ruhe eingekehrt. Jüngere Bäume wachsen heran und nehmen der altehrwürdigen Linde das Licht. Jetzt versucht man durch Behandlung schadhafter Stellen dem Baum aufzuhelfen – hoffentlich gelingt das.

 

Die alte Linde 1935

1989

und im Jahre 2000