Exkurs: Bronzezeit:

Die der Steinzeit folgende Bronzezeit beginnt in Norddeutschland um 2000 v. Chr. und endet  mit dem Siegeszug des Eisens um 700 v.Chr.

Einige Angaben zu Bronze und Bronzeherstellung sollen Können und Leistung der Bronzezeit-Menschen verdeutlichen: Der diese Zeit charakterisierende Werkstoff, die Bronze, besteht aus einer Legierung von Kupfer und Zinn. Legierungen von Kupfer und Zinn sind härter als das weiche Kupfer, aber zu hohe Zinnzuschläge machen das Stück spröde und brüchig. Erst langsam wurde in der frühen Bronzezeit die günstigste, bei 1000o C schmelzende Legierung mit einem Verhältnis von 90 % Kupfer und 10 % Zinn gefunden. Für den Bronzeguss benötigten die Handwerker Temperaturen über 1000oC. Solch hohe Temperaturen liefern auch Holzkohlenfeuer nur mit Hilfe von sorgfältig geregelter Luftzufuhr und Blasebälgen. Vielleicht verfügten wandernde Handwerker über das zur Bronzeherstellung und -verarbeitung notwendige hohe technische Können.

Gegenüber den leicht zerspringenden steinernen Klingen und Dolchen bot Bronze den Vorteil größerer Härte und Dauerhaftigkeit. Auch lässt sich zerbrochenes Gerät wieder einschmelzen. Während jedoch schon in der Steinzeit die Beschaffung guten Feuersteinmaterials Schwierigkeiten bereitete, mussten die Rohstoffe jetzt von weither besorgt werden: Kupfer gewann man im nahen Harzvorland nicht in ausreichender Menge und bezog dieses Metall deshalb auch aus dem Salzburger Raum und aus Tirol. Kleine Zinnvorkommen liegen im Fichtelgebirge, daneben nutzte man Zinn aus Cornwall und aus der Bretagne. Der Einkauf des Metalls verlangte also weitläufige Handelsbeziehungen.

Neben der Bronze benutzte man weiterhin steinerne Pfeilspitzen und mancherorts auch steinerne Beile. Organische und damit vergängliche Materialien wie Wolle, Bast, Holz, Horn und Leder spielten eine wesentliche Rolle. Die schon in der Steinzeit bekannten Töpferei diente zur Herstellung von Bechern, Krügen, Urnen, Schüsseln und Näpfen, die man mit Nuppen und Leisten verzierte.

Die Toten beerdigte man während der frühen Bronzezeit in Baumsärgen und gab ihnen Waffen und Schmuck mit in den Sarg. Während der mittleren Bronzezeit begannen die Menschen ihre Toten zu verbrennen, den Leichenbrand in Urnen beizusetzen und Erdhügel über den Gräbern zu errichten. Da  nur wenige bronzene Schmuckstücke oder Waffen mit ins Grab gelangten, erfahren wir nun sehr viel weniger über Tracht und Kleidung. Auch in der jüngeren Bronzezeit wurden die Toten verbrannt und die mit Asche gefüllten Urnen in Urnenfeldern beigesetzt. Bei besonders angesehenen Toten wölbte man auch in dieser Zeit Erdhügel über das Grab.

Der mit der Bronzeherstellung verbundene umfangreiche Handel und Transport – auch Salz musste beschafft werden – , die komplizierte Herstellung der Bronzen und ebenso die unterschiedliche Ausstattung der Gräber machen eine soziale Gliederung der bronzezeitlichen Bevölkerung wahrscheinlich. Neben einfachen Bauern wird es Handwerker, Händler, Kaufleute, Stammesfürsten, vielleicht auch kundige Priester und Priesterinnen gegeben haben.

Knochenfunde belegen, dass die Bauern der Bronzezeit Rinder (60 %), Schweine (20 %), Schafe, Ziegen, Pferde und Hunde hielten. Die damaligen, aus heutiger Sicht kleinen Haustiere dienten vor allem der Ernährung, denn die Jagd – auch das zeigen die Knochenfunde – spielte nur eine untergeordnete Rolle. Rinder dienten auch zum Ziehen des hölzernen Hakenpfluges. Die häufigsten Getreide sind der schon in der Steinzeit angebaute Emmer und die Gerste. In der Bronzezeit wuchsen auch Weizen und Rispenhirse auf den kleinen mit geflochtenen Zäunen abgegrenzten Feldern. Erbsen und Pferdebohnen waren bekannt. Beim Ernten wurden die Ähren mit der Sichel abgeschnitten. Das mit Mahlsteinen in steinernen Mulden zu Mehl verarbeitete Getreide verbuk man zu Brot oder kochte daraus Brei.

Nahe zum Wasser und nicht weit von den Gräbern finden sich durch das Verrotten in den Boden gerammter Holzpfosten entstandene Pfostenlöcher, die auf bronzezeitliche Häuser hinweisen. So legte die Forscherin Waldtraut Bohm n Perleberg, Viesecke und Lenzersilge Reste bronzezeitlicher Siedlungen frei. Unterschiedliche Funde in einzelnen Häusern zeigen, dass in einem Haus gewebt, im anderen getöpfert wurde. Ein Bachofen lag in der Mitte der Siedlung. Mittelfeiler in einem besonders gut untersuchten Haus in Viesecke weisen auf ein spitzgiebliges Dach hin. Auch eine überdachte Vorhalle lässt sich nachweisen.  Mit Holzkohle gefüllte Gruben zeigen die Lage der Feuerstelle und damit des Wohn- und Arbeitsbereichs an. Die andere Hälfte des Hauses nutzte man als Stall. Durch eine auf der Südseite gelegene Tür konnte Licht in das  mit Schilf oder Stroh gedeckte Haus eindringen. Speichergebäude und – gruben dienten der Aufbewahrung des Getreides. Am Ende der Bronzezeit ging die klimatisch günstigere, wärmere Klimaperiode zu Ende und das Wetter glich dem unsrigen heute, deshalb benötigte man mehr Wintervorräte für Mensch und Vieh und musste den Tieren im Winter wärmenden Schutz geben.

Wie diese Ausführungen zeigen, weiß man heute erstaunlich viel über Beile, Messer und Dolche, Armringe und Fibeln, Ernährung und Kleidung, sowie über die handwerklichen Fähigkeiten der Bronzezeit-Menschen. Hingegen gibt es kaum Hinweise  über Sprache und Aussehen dieser Leute. Wohl kann man ihre Körperlänge auf Grund von Knochenfunden abschätzen. Aber hatten sie braunes oder blondes Haar? In welcher Sprache verständigten sie sich? Weshalb gaben sie ihren Toten Waffen mit ins Grab? All das blieb bislang ungeklärt.

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