Im Dorf

Ein Arbeiterhaus

In der Dorfmitte nahe dem Kriegerdenkmal sehen wir ein langes Gebäude. Mein Vater baute es im Jahre 1914 für seine Arbeiter und war stolz auf dieses Haus mit seinen fortschrittlichen Wohnungen. Meine Freundin Elsbeth wohnte dort, dadurch kannte ich solch eine Wohnung gut und überlege heute kopfschüttelnd, was man damals für fortschrittlich hielt: Vor dem Eingang eine kleine überdachte Veranda – sie galt als besonderer Vorzug dieser Wohnungen. Dann die Küche, in der auf einer kleinen Bank rechts neben der Tür zwei blitzsaubere Emailleeimer standen – mit diesen Eimern holte man das Wasser von der Pumpe. Eine Blechschüssel auf einem Gestell diente der täglichen Sauberkeit. Im Herd brannte meist das Feuer. Links ging es in die Stube, an deren großem Tisch sich das Familienleben abspielte. Hier wurde gegessen. Hier saß die Mutter und knetete das Wasser aus der selbstbereiteten Butter. Hier schlief die Großmutter. Dann rechts die kleine Kammer, in der die Eltern zusammen mit ihren beiden Kindern schliefen. Von der Küche aus vorn lag die gute Stube. Über deren Nutzung weiß ich wenig. Hinter dem Haus lag das zum Arbeiterhaus gehörende langgestreckte Stallgebäude mit Raum für die Kuh, ein paar Schweine und Hühner. Hier gab es ein Plumpsklo dessen Inhalte direkt im Mist landeten – sehr praktisch.

Jetzt wird das Haus nur noch von wenigen Familien bewohnt. Fließend Wasser ist selbstverständlich.

 

Die Dorfstraße

Ein Blick ringsum zeigt den Charme des alten Dorfes: Hohe Linden umgeben die Friedhofsmauer. Die alte Bebauung mit den niedrigen einstöckigen Häusern blieb weitgehend erhalten. Alte Kastanien schmücken die Dorfstraße. Vor ein paar Jahren sahen diese schönen Bäume kläglich aus, weil man sie wegen brüchiger Äste zurechtgestutzt hatte. Inzwischen trieben sie aus und prunken mit kräftigem Grün. Überall liebevoll gepflegte Vorgärten, die Wesentliches zum Schmuck des Dorfes beitragen.

Wir folgen der leicht aufsteigenden Dorfstraße in westlicher Richtung. Rechts sehen wir den alten Gasthof oder – wie man hierzulande sagt – den Krug, heute gelegentlich zu Diskos genutzt, früher Schauplatz munterer Erntefeste mit Blasmusik.

Es folgt eine Einfahrt zum alten Gutshof, später Maschinenausleihstation (MAS) bzw. Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL). Am links liegenden, langen ziegelroten alten Arbeiterhaus bezeugen die aus Bandeisen geschmiedeten Buchstaben O v R, dass es mein Großvater errichten ließ. Ein Wegweiser links zeigt den Weg zum Friedhof.

Der leicht aufsteigenden, von Vogelbeerbäumen gesäumten Straße folgend sehen wir rechts und links die aus dem 18. Jahrhundert stammenden ‚Kolonistenhäuser‘. Hier siedelte Friedrich der Große um 1780 alte Soldaten an. Die Dannenwalder Chronik berichtet darüber ausführlich (Widrat, H.: Chronik der Gemeinde Danenwalde .. .1996). Auch heute noch gehört zu jedem Kolonistenhaus ein Stallgebäude und ein großes Gartengrundstück. Wir schauen uns diese mehr als 200-jährigen Häuser an und erkennen am Haus Dorfstr. 9 die alte Fachwerkkonstruktion. Vielleicht entspricht dieses kleine Haus in seiner Aufteilung noch den alten Angaben, die neben Küche und Hausflur nur eine Stube sowie eine Stubenkammer vorsehen.

 

Gedenkstein für die Toten des zweiten Weltkrieges

Das 1914 erbaute Arbeiterhaus